Fotografie als Ventil

Fotografie ist für mich eine Art Ventil - ein Ventil, durch das es mir gelingt mich zu beschreiben, ohne nach Worten ringen zu müssen. Oftmals entstehen Bilder in meinem Kopf und anstatt zu warten, bis sie wieder verschwinden, belichte ich sie auf Film.
Manchmal sind es amüsante Themen, manchmal Trauriges oder auch Politisches und oft kommen alte Bilder aus der Vergangenheit hoch und nehmen in Form von Fotografien konkrete Gestalt an. Meine Arbeit setzt sich aus scheinbar gegensätzlichen Themen zusammen. Was auf den ersten Blick wie eine humorvolle Inszenierung wirkt, entpuppt sich auf den zweiten Blick als gesellschaftskritische Satire, wobei die eigene Person von dieser Kritik keineswegs ausgenommen ist. In Form von Selbstdarstellungen werde ich zum Hauptdarsteller meiner eigenen Inszenierungen - kritische Fingerzeige auf Missstände und die eigene Unzufriedenheit.

Fotografie als Prisma

Immer wieder treffe ich jedoch auch auf perfekte Inszenierungen, die andere
bereits für mich vorgenommen zu haben scheinen – als würden sie nur darauf
warten, von mir fotografisch festgehalten zu werden. Genaues Schauen und
natürlich eine gehörige Portion Glück sind die Voraussetzungen eine solche
Zufallsinszenierung zu finden. Durch das Auge der Kamera kann meine
Perspektive auch anderen zugänglich gemacht werden. Blicke, die die von mir
fotografisch festgehaltenen Szenerien gar nicht wahrnehmen würden, da sie
normalerweise in einer Linie geradeaus gehen würden, werden mehrfach
gebrochen und umgelenkt.

Fotografie als Handwerk

Ob ein Foto gut ist, entscheidet sich für mich oft erst in der Dunkelkammer. Mein Zugang zur Fotografie ist der eines Handwerkers und als solcher schätze ich die analoge Fotografie.
Die analoge Kamera, die Wahl des richtigen Filmes, das Einlegen und die Belichtung, die Entwicklung und die Arbeit in der Dunkelkammer ergeben in Summe ein hochwertiges Bild.
Die Arbeit in der Dunkelkammer ist ein von Bewegung abhängiger Vorgang, etwas Greifbares, formbar mit und durch Licht.
Der Geruch der Chemie, das Plätschern des Wassers, das gedämpfte Rattern der Geräte, all das sind Dinge, die ich bei der digitalen Fotografie vermisse. Eine Festplatte – mag sie auch noch so viele Bilder fassen – könnte für mich niemals dieses Gefühl ersetzen.



Photography as a valve

For me photography is a kind of valve - a valve through which I am able to describe myself without having to struggle for words. Often images are formed in my mind and instead of waiting until they disappear again, I expose them on film.
Sometimes the topics are amusing, sometimes sad or also political and often old pictures from the past come up and in the form of photographs take on a specific shape. My work consists of seemingly opposing themes. What at first glance looks like a humorous staging, turns out to be a socio-critical satire, in which my own person is not exempt from this criticism. In the form of self-portraits I become the protagonist of my own stagings - critical cues to grievances and my own discontent.

Photography as a prism

But I also encounter consistently perfect stagings, that others seem to have carried out for me – as if they were only waiting to be captured by me on a photograph. Exact watching and of course a good deal of luck are the prerequisites to find such a random staging. Through the eye of the camera my perspective can be made accessible to others. Glances that would not notice the settings I have captured on photographs, because normally they would look straight ahead, are multiply refracted and deflacted.

Photography as a craft

Whether a photograph is good for me often only becomes apparent in the darkroom. My approach to photography is that of a craftsman, that's why I value analog photography. The analog camera, the choosing of the right film, the loading and the exposure, the development and the work in the darkroom add up to a high-quality image. Working in the darkroom is a process that depends from movement, something tangible, shapeable through and with light. The smell of the chemicals, the sound of the water, the muffled clatter of the machines, these are all things I miss in digital photography. A hard disk – even if it is capable of containing an almost unlimited number of images – could never replace that feeling for me.